Schweizerisches Jahrbuch für Kirchenrecht
Annuaire suisse de droit ecclésial

herausgegeben im Auftrag der Schweizerischen Vereinigung für evangelisches Kirchenrecht, edité sur mandat de l'Association suisse de droit ecclésial protestant von/de Jakob Frey, Dieter Kraus, Wolfgang Lienemann, René Pahud de Mortanges, Christoph Winzeler

Webseite erstellt am 03.01.2003/Kr.


Editorial zu Band 6 (2001)

 

Werner Bräm zur Pensionierung

Lieber Werner

Im Frühjahr 2001 bist Du nach 36 Dienstjahren als juristischer Sekretär des Kirchenrates der evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich in den Ruhestand getreten. Auch wenn die Herausgeber dieses Jahrbuches nicht berufen sind, Dein Wirken in der Zürcher Landeskirche einer angemessenen Würdigung zukommen zu lassen, so sind sie doch der festen Meinung, dass dieses Ereignis im Kreis Deiner Kirchenrechtskollegen nicht unerwähnt bleiben darf.
Im Laufe der vergangenen Jahre bist Du vielen Kollegen mit Rat und Tat zur Seite gestanden, hast Du uns mündlich und in den Berichten in diesem Jahrbuch über die Fortentwicklung des Zürcher Staatskirchenrechtes orientiert, hast Du uns an den Kirchenjuristentagungen auch angeregt mit Deinem ganz eigenen, originellen Blick auf die Kirche und ihr Recht. Zwei Themen, sagst Du, haben Dich im Laufe Deines Berufslebens stets beschäftigt: die Art und Weise, wie das Recht in der reformierten Kirche wahrgenommen wird (wobei die namentlich in der Pfarrerschaft früher verbreitete negative Perzeption à la Sohm heute einer vorsichtig-positiven Wertschätzung gewichen ist). Sodann auch die Änderungen, welche sich im Kasualienrecht angesichts der Zunahme der bekenntnisverschiedenen Ehen ergeben haben. Beide Themen spiegeln die geänderte gesellschaftliche Situierung der Kirche, ebenso ein drittes Thema, das Du als Dossier noch in die Pensionierung mitgenommen hast: die Reform des Verhältnisses von Kirche und Staat im Kanton Zürich, aktuell geworden mit der 1995 verworfenen Trennungsinitiative.
Für die Schweizerischen Vereinigung für evangelisches Kirchenrecht bist Du ein Mitglied der ersten Stunde. Dies eigentlich contre cur, denn als es 1992 um die Vereinsgründung ging, warst Du der Überzeugung, dass unsere seit den achtziger Jahren bestehenden Zusammenkünfte gerade nicht in feste Strukturen gebunden werden sollten. Dieses Misstrauen gegenüber Institutionen und das Vertrauen auf den Geist ist, wie mir scheint, bezeichnend für Dich. Ebenso aber, dass Du den Verein, nachdem er nun einmal aus der Taufe gehoben war, stets mit Kräften unterstützt hast, dies zuletzt auch als Vorstandsmitglied.
Bei gelegentlichen Besuchen an der Blaufahnenstrasse 10 konnte der Schreibende jeweils die Geschäftslast in Deinem Ressort und damit auch Deine Gemütslage in etwa an der Höhe der Aktenberge erkennen, die sich auf Deinem Arbeitstisch türmten. Beim letzten Besuch vor Deiner Pensionierung schienen diese Berge weniger hoch zu sein als auch schon. Dafür war ein anderer Berg in greifbare Nähe gerückt: der Heinzenberg, wo Du im elterlichen Haus nun einen Teil der zurückgewonnenen freien Zeit verbringen wirst. Wenn wir Dich dort besuchen werden, werden wir gewiss nicht über Kirchenrecht mit Dir reden. Denn zu diesem Teil Deines Lebens wirst Du nach eigener Aussage rasch Distanz gewinnen. Ein Gespräch über Gott und die Welt das wollen wir aber weiterhin mit Dir führen!

August 2001
Im Namen der Herausgeber:
René Pahud de Mortanges
 
 

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